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Offener
Brief zum Irak-Krieg vom 20.III.2003 |
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1. Alle Kriegsherren haben einen gemeinsamen Feind:
die Wahrheit
2.
Kein Volk ist besser oder
schlechter als dein eigenes
3.
Jeder Krieg ist eine Niederlage. Denn Krieg vernichtet
Leben
4.
Wer Kriege im Namen Gottes führt,
ist stets des Teufels
5.
Es gibt weder gerechte noch
heilige Kriege
Kurt Tucholsky
(1890-1935) |
Hallo ihr
Lieben,
es scheint, dass der Krieg
begonnen hat! Es ist wirklich zum Verzweifeln, wie sehr die
amerikanische Regierung und ihre Verbündeten die Diplomatie und
das internationale Recht mit den Füßen treten. Krieg ist immer
eine Niederlage von Diplomatie und Politik und das ist es, was
wir zur Zeit live miterleben dürfen.
Der Irak ist am Boden schon jetzt
zerstört, einerseits durch den letzten Golfkrieg, der den Irak
militärisch absolut niedergeschlagen hat, als auch durch die UN
Sanktionen, welche leider (trotz der guten Idee Öl gegen Brot
zu tauschen) eine humanitäre Katastrophe im Land ausgelöst
hat. Alleine deshalb ist es für George W. Bush leicht in dieses
Land einzumarschieren. Kein Land hat eine so schwache Armee (die
übrigens fast nur aus Reservisten, welche eigentlich normale
Zivilisten wie Du und ich sind, besteht) und so bietet diese
Land für die amerikanische Armee einen idealen Spielgrund um
ihre neuesten Waffenentwicklungen auszuprobieren. Ich glaube
nicht, dass es im Irak großen Widerstand gegen die Amerikaner
geben wird und jeder Reservist wird so schnell wie möglich
versuchen zu kollaborieren.
Ein anderer Punkt ist die Rechtfertigkeit
dieses Krieges. Wie hat dieser Krieg begonnen? Wenn wir
zurückschauen, so hat G.W. Bush bei seinem Kampf gegen den
Terrorismus und die Al-Quaida keinen Erfolg gehabt. Wir haben es
in den Medien live miterlebt, wie der amerikanische Präsident
versucht hat, einen Link zwischen Al-Quaida und dem Irak
herzustellen (den es sogar laut CIA nicht gibt) und auch laut
diesem CIA Papier unterstützt Saddam Hussein nicht den
internationalen Terrorismus. Die Gefahr die vom Irak auf andere
Länder ausgeht ist de facto Null, schon alleine aufgrund der
schwachen Armee. Jedes arabisches Nachbarland hat einer
stärkere Armee als Saddam! Auch wenig bekannt bei uns im Westen
ist, dass Saddam in der gesamten arabischen Welt verhasst ist
und alle arabischen Führer dem Sturz des Diktators
entgegenfiebern ... aber nicht durch eine ausländische
Invasion, sondern durch einen inneren Umsturz!
Nun werden einige von euch sagen, dass
aber das irakische Volk keine Ambitionen hat, Saddam zu
stürzen. Ich kann hier entgegenhalten, dass es gegen Ende des
ersten Golfkrieges einen Aufstand der Iraker gegeben hat,
welcher sehr erfolgreich war ... vielleicht zu erfolgreich, den
wie die Lage für Saddam wirklich brenzlig wurde haben die
Amerikaner (!) einen Waffenstillstand angeboten und Saddam
Hussein als rechtmäßigen Führer anerkannt. Der Aufstand wurde
nach dem Rückzug der Amerikaner aufs brutalste von Saddam Hussein
niedergeschlagen und es hat Tausende Tote gegeben! Saddam
Hussein hat danach wieder seine Schreckensherrschaft im Lande
aufgebaut und Folter und Vergewaltigungen waren danach noch mehr
an der Tagesordnung.
Nun will der Junior (G.W. Bush) in einem
uneigennützigen Krieg das irakische Volk von dieser
Schreckensherrschaft befreien. Bush hat immer gesagt, dass er
dem Volk helfen will und dass die unmenschliche Diktatur Saddams
einen krieg gerechtfertigt. Auch ich tendiere hier ausnahmsweise
zuzustimmen, doch sollte G.W. Bush, wenn er schon so auf
unterdrückte Völker schaut, diese Regel auf alle Länder der
Welt anwenden und gegen jedes unmenschliche Regime auf der Welt
(davon gibt es mehr als man glaubt, und viel schlimmere als
Saddams Regime) kämpfen. Ich wäre sofort dabei, hier das
Völkerrecht zu ändern, damit Kriegseinsätze, die die
Zivilbevölkerung gegen Diktatoren schützen, rechtfertigen.
Realistisch ist das natürlich nicht, da man hier dauernd in zig
Ländern kämpfen müsste und oft sind Diktatoren auch von
Großmächten gestützt (wie auch Saddam damals von den Amis)
und daher immer mit zweierlei Maß gemessen wird.
Im letzten Teil meines langen, offenen
Briefes will ich auf das Irak danach eingehen. Die Amerikaner
wollen (löblicherweise) aus dem Irak eine Demokratie machen.
Ich kenne die Politik und Gesellschaft des Nahen Osten jedoch
genug um sagen zu können, dass es nie funktioniert hat eine
Demokratie zu installieren. Eine Demokratie kann sich nur
entwickeln. Das beste Beispiel ist hier der Libanon, der nach
dem Versagen der Demokratie in einen Bürgerkrieg gefallen ist
und sich erst jetzt, langsam ein demokratisches Denken
entwickelt.
Die Amerikaner haben vor die sich im Exil
befindliche Nationalversammlung als neue Regierung einsetzen.
Das Problem bei dieser Nationalversammlung ist, dass sie extrem
zerstritten ist und dass wichtige Gruppe wie die Kurden und die
religiösen Parteien (auch die gemäßigten) eine Zusammenarbeit
ablehnen. Außerdem ist der Vorsitzende der Nationalversammlung
(und womöglich zukünftiger Präsident des Iraks) ein gesuchter
Verbrecher in Jordanien (wegen Unterschlagung von
Millionenbeträgen bei eine Bankskandal Ende der 80er Jahre in
Jordanien).
Selbst wenn es gelingen könnte eine
halbwegs stabile Demokratie zu installieren, so ist der Traum
der Amerikaner illusorisch, dass dies ein Beispiel für andere
arabische Diktaturen sein könnte. Ich glaube, ich brauche kein
Hellseher zu sein, wer solche Wahlen gewinnen würde. Die
Schiiten, die sehr enge Verbindungen zum Iran haben,
schaffen es ziemlich leicht mit ihren Stimmen einen religiösen
Führer an die Macht zu bringen und das würde die iranischen
Mullahs nur noch mehr stärken und ich glaube nicht, dass das
das Ziel der Amerikaner sein kann. Die einzigen Regime, die
dadurch destabilisiert würden, währen die Regime in
Amerikafreundlichen Staaten wie z.B. Saudi Arabien.
Ich bin ja gespannt, wie der Kampf gegen
den Terror weitergehen wird. Über eines können wir uns aber
jetzt im Klaren sein: Die USA sind durch den Angriff auf den
Irak, so stark wie noch nie terrorgefährdet!
Zum Abschluss möchte ich nur noch eine
Meldung bringen, die ich heute Früh in den Nachrichten gehört
habe. In der Irak-Krieg Debatte im deutschen Parlament, wo sich
alle Parteien gegen einen Krieg im Irak ausgesprochen haben,
haben doch alle Redner auch betont, dass wir weiterhin Freunde
der Amerikaner sind und Amerika weiterhin der wichtigste
Bündnispartner der westlichen Welt ist. So sehr man die Politik
der derzeitigen US-Regierung kritisieren kann, so sehr soll man
aber auch zur Kenntnis nehmen, dass diese Regierung nicht alle
Amerikaner repräsentiert.
Ich wünsche euch allen einen schönen Tag
und nicht nur den Irakern, sondern allen
unterdrückten Völkern der Welt, Friede und Freiheit.
Stefan Eisenbach
[www.eisenbach.at]
LINK-TIPP:
Brief
von Michael Moore an Präsident Bush
LINK-TIPP: Snapshots
from Baghdad against the war
LINK-TIPP: Worst
case scenario for Iraq II (game)

Screen shots of the Iraq game
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